Jürg A. Rutishauser

Leseprobe

Als Chris schliesslich wieder - immer noch neben Emily liegend - zu Sinnen kam, erschrak er. Er hatte Bettina betrogen, schoss es ihm durch den Kopf.
Was hatte er getan? Was würde das für Folgen haben? Was würde Bettina dazu sagen, wenn sie es erfuhr? Nein. Sie durfte es nicht erfahren!
Sein Freund Wagner würde es ihr zwar kaum sagen und Emily ja wohl auch nicht. Oder doch? Was wäre, wenn Emily schwanger wurde? Wenn Sie Forderungen stellte? Wenn sie Alimente verlangte oder ihn mit Schweigegeld erpressen wollte?
Das konnte er schlicht nicht riskieren. Es würde seine Ehe ruinieren, seinen Job, sein Leben. Nein. Er musste etwas dagegen tun und zwar jetzt gleich. Er wollte nicht, aber er musste.
Er langte vorsichtig, fast ohne seinen Körper zu bewegen, mit der linken Hand zu seiner Hose hinüber, wühlte in deren Taschen und fand sein Schweizer Armeemesser. Dieses nahm er langsam zu sich, öffnete die grosse Klinge und liess diese vorsichtig einrasten, ohne dass Emily etwas davon bemerkte. Sie lag immer noch nackt neben ihm auf dem warmen Waldboden, atmete tief die frische Luft in sich hinein, hatte ein seliges Lächeln auf den Lippen und die Augen geschlossen.
Chris sah sie an. Sie war so schön und so verletzlich.
Er drehte sich zu ihr, küsste sie auf den Mund und drückte ihr gleichzeitig die Klinge seines Messers tief in die Brust und in ihr Herz, so dass sie sich kaum wehrte, bevor das Leben aus ihr wich.
Als sich Emily nicht mehr bewegte und zu atmen aufgehört hatte, fing Chris leise an zu weinen und seine Tränen flossen über den nackten, leblosen Oberkörper der Frau, die er eben noch so begehrt hatte.