Jürg A. Rutishauser

Leseprobe aus "Gas"

Debby besass nichts mehr. Praktisch ihr ganzes Hab und Gut hatte sie im Laufe der letzten vier Jahre verkauft, um sich mit dem Geld Essen zu kaufen. Das einzige was sie im Überfluss hatte, waren Schulden. Sie war schon seit längerer Zeit arbeitslos und sie bekam schon seit Monaten keine Unterstützung mehr. Die Wohnung war ihr auf den nächsten Ersten gekündigt worden, weil sie sie nicht mehr bezahlen konnte. Die aufgenommenen Kredite würde sie nie zurückzahlen können, das Telefon hatte man ihr schon vor fast einem halben Jahr gesperrt und die städtischen Werke drohten ihr Strom, Gas und Wasser abzudrehen. Die 25-jährige Frau war am Ende. Kein Job oder eine andere Möglichkeit an Geld zu kommen war in Aussicht. Sie hatte niemanden und wollte auch niemandem zur Last fallen. So hatte sie sich entschieden, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie schrieb weiter: "...mich entschlossen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Ich danke allen Menschen, die mir jemals etwas Gutes getan haben.
Debby"

Sie las den Brief nochmals durch und befand ihn für gut. Dann steckte Sie ihn in einen Umschlag und adressierte ihn: "An denjenigen der mich finden wird". Sie legte den Umschlag auf den Küchentisch und ging zum Herd, um die Gashähne aufzudrehen. Dann begab Sie sich ins Wohnzimmer und setzte sich in ihren Sessel, der einmal ihr Fernsehsessel gewesen war. Bereits vorher hatte sie ihr schönstes Kleid das sie noch besass, angezogen und nun zupfte Sie es zurecht, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
Die Ritzen unter den Türen hatte sie ebenfalls schon zuvor mit nassen Tüchern zugestopft und die Fenster geschlossen. Jetzt brauchte sie nur noch zu warten bis das austretende Gas seine Wirkung tat...